Mittwoch, Januar 31, 2007

Spinnentiere

Wer sagt eigentlich, dass Spinnen spinnen?
Nur weil sie so heissen?
Sollen die also alle in die Klappse?
Oder spinnen die sich da ihre eigenen kleinen Zwangsjacken -
mit so vielen Armen sicher schwer auf dem Rücken zu verschnüren.
Ich bin für eine Namensänderung der Spinnentiere.
Wie wäre es mit Musketiere,
ach, das gibts ja auch schon...

Aus meinem Leben Teil 5


















Wenn einem so ganze Horden von nordic-walkenden Rentnern entgegenkommen, kann man schon mal Angst kriegen. Ich jedenfalls. Heute morgen geh ich mit dem „Prinz Adolf“ – das ist mein Hund – im Morgennebel spazieren. Ich geniesse die frische Luft und seh den Amseln zu wie sie ihre Lieder tirilieren. Zaghaft stecken die ersten Knospen ihre Köpflein heraus und eine Mäusemama huscht über den Weg. Mein Herz geht mir auf und ich sauge den Frieden auf Erden ein. Plötzlich ein Donnergrollen aus der Ferne, erst wie eine stampfende Lokomotive, dann näherkommend wie eine Horde Büffel. Als ich um das Eck meines idyllisch beblümten Wanderweges blicke, seh ich sie. Die Herde wildgewordener Rentner! Allesamt über 70 und allesamt bewaffnet mit diesem gräßlichen Gestöck! Klick-Klack-Klick-Klack zerfurchen sie den behördlich geebneten Weg. Ich kann mich in letzter Sekunde an den Stacheldrahtzaun werfen und den Prinz Adolf davon abhalten mit den lustigen Stöckchen zu spielen. So donnern sie vorüber, eine unendlich lange Minute. Mindestens. Danach der Weg ein Schlachtfeld. Tausend kleine Einstiche wie ein Streuselkuchen. Ich blutig zerfetzt vom Hechtsprung in den Drahtzaun. Der Hund geifernd und schäumend vor Glück und Wut über so viel potenzielles Frischfleisch. Erst nach Minuten konnte ich wieder denken. Böses konnte ich denken. Nur Böses... Ich mache mich nun gleich ans Werk und werde kleine Drahtstolperfallen erschaffen. Gut wäre es, wenn sie unter Strom stünden und so den tödlichen Schlag direkt über die Gehhilfen ins vertrocknete Hirn der hyperaktiven Greise tattern würden. Morgen werde ich die ersten Erfolge sehen.

Hunde die...

Hunde die bellen
scheissen nicht

Montag, Januar 29, 2007

Aus meinem Leben Teil 4

Es ist kalt heute. Ich habe alle Staubflocken zusammengerufen und ihnen erklärt, dass sie ganz nah zusammenrücken müssen. Das ist gut für den sozialen Hintergrund und auch gut für mich. Ich lege mir die Flusen um den Körper und spare so Heizkosten. Es ist erstaunlich, wie warm einem dabei werden kann. Manchmal ziehe ich mir sogar unter den Flockflusen meine Socken aus. Es ist ganz kuschelig mit dem fluffigweichen Pelz. Und lustig ist es auch, weil viele Flocken wie Teenager herumalbern und kichern. Ich muss aufpassen, dass ich dann nicht zu laut lache, weil sonst mein Staubmantel auseinander stiebt. Das ist dann so ähnlich, wie damals beim Urknall. Da wurde ja die Welt erschaffen. Und auch der Staub. Ich habe also im Grunde manchmal den Urknall bei mir im Wohnzimmer.









Weil der Ferdi ja nicht mehr lebt und es hier so kalt ist, würde ich gern einem verhaltensgestörten oder zurückgebliebenen Pinguin ein neues, liebevolles Zuhause geben. Bei Hagenbecks habe ich schon nachgefragt, aber die wollten nicht. Auch im Zoo Dortmund habe ich schon angerufen, die haben da viele Pinguine. Die rutschen dort immer so eine kleine Rutsche runter. Aber die haben auch keinen Bedarf. Ich habe alles genau geplant. Die Garage im Garten ist gemütlich hergerichtet, hat eine Blumentapete, ein Babyplanschbecken und ein Fernsehtischchen. Die Scholle aus zusammengesetzen Eiswürfeln ist auch schon fertig und liegt im Gefrierfach vom LottoToto-Laden. Nur die Leute vom Zoo wollen nicht. Oder haben die Angst, dass ich einen Pinguinbraten draus machen würde. Dabei würde ich ja niemals einen Pinguin essen. Die putzigen Kerlchen mit ihren Stummelflügeln und Schnäbeln, die aussehen wie spitze Nasen! Ich wollte so gern einen Pinguin der nie eine Chance bekommen hat. Vielleicht mit schlechtem Elternhaus oder einer, der sexuell mißbraucht wurde. Da macht man sich wochenlang Gedanken. Repariert die Garage und tapeziert die Wände. Und was ist der Dank? Ein harsches „Nein!“ wird mir an den Kopf geworfen. Dabei habe ich mich schon so auf den Pinguin gefreut. In den Zoo geh ich jedenfalls nicht mehr. Und wenn, dann nur, wenn ich vorher Stecknadeln in das Maisfutter gemischt habe. So, jetzt hab ich genug!

Freitag, Januar 26, 2007

Aus meinem Leben Teil 3

Heute habe ich Halsschmerzen. Das ist psychosomatisch, sagt meine Mutter. Die sagt oft so schlaue Sachen, obwohl sie eigentlich gar nicht so schlau ist. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass sie Mutter ist. Vielleicht wird eine Frau ja schlau, wenn sie ein Kind gekriegt hat. Vielleicht ist sie vorher ja total dumm und blöd. Dann wäre ich das ja jetzt auch... Ich hab ja noch kein Kind gekriegt. Aber ich hab ja auf jeden Fall Halsschmerzen. Das ist auch blöd. Weil, da kann man nämlich nicht gut schlucken. Die Haferflocken bleiben einem stecken und auch die eigene Spucke. Plötzlich merkt man, dass man ständig die eigene Spucke schluckt. Das fällt einem sonst gar nicht so auf. Eigentlich total ekelig. Wer mag schon Spucke? Würdest du freiwillig Spucke in den Mund nehmen? Ich nicht.

Weil mein Hals ganz dick ist, seh ich jetzt aus wie ein Hamster. Hamster hab ich gerne. Die sind so drollig und schlafen den ganzen Tag. Es gibt Gold- und Zwerghamster. Wenn sie Hunger haben, dann essen sie einfach das was in ihren Backen versteckt ist. Die brauchen gar keinen Kühlschrank oder Vorratsraum. Die haben immer alles dabei. Lustig, oder? Wenn ich ein Hamster wäre, dann hätte ich immer Jogurt und Käsestangen in den Backen. Auf der einen Seite das Jogurt, auf der anderen die Käsestangen. Sonst vermischt sich ja der Geschmack. Süß und sauer. Nachts könnte ich dann im Schlafen schnell ein Kirschjogurt essen und müsste gar nicht aufstehen. Ich müsste nicht mal aufwachen! Ich hab das neulich mal ausprobiert. Mit Himbeersahnejogurt vom Penny. Am nächsten Tag war alles voll Jogurt und die Ameisen sind schon gekommen um zu kosten. Die Ameisen haben eine ganze Strasse gebaut. Nur für mein Jogurt. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Ameisen so zahlreich erschienen sind. Sonst bekomme ich immer nur wenig Besuch.

Beim Frühstück habe ich mir mit dem Brotmesser in den Daumen geschnitten. Das hat erst nach 10 Minuten angefangen zu bluten. Darüber habe ich mich sehr gewundert. Ob das Blut keine Lust gehabt hat und noch geschlafen hat? Oder hat es nicht so schnell reagiert, weil es das Messer nicht gesehen hat. Ich habe erst gemerkt, dass es blutet, als mein Marmeladenbrötchen auf einmal rot war, obwohl ich gar keine Marmelade drauf geschmiert hatte. Aber geschmeckt hat es trotzdem. Mein Hund ist gleich ganz wild geworden und hat angefangen zu betteln. Da guckt er immer so lieb und legt den Kopf schief. Weil er so Hunger hat, läuft ihm dann auch der Sabber aus dem Mund. Den kann man gut als Klebstoff benutzen. Auch um Poster an die Wand zu hängen. Ich habe überall so alte Poster an der Wand. Von King Kong und der weissen Frau und von Sissi der jungen Kaiserin. Der Sabber hält sie alle, schon seit Jahren. Neulich wollte ich das eine Sissi-Bild umhängen und da ist mir die halbe Wand entgegen gekommen. So gut hält das. Jetzt habe ich eine Durchreiche von der Küche zu meinem Bett. Das finde ich sehr praktisch. Wenn ich in der Küche bin, kann ich mir das Essen direkt rüber zu mir ins Bett reichen und muss den Umweg über den Flur nicht gehen. Ich bin der Sissi dafür sehr dankbar.

Donnerstag, Januar 25, 2007

Gehirnexkremente

Wenn etwas lebt, dann scheidet es doch auch etwas aus.
Gibt es also Gehirnexkremente?
Theoretisch müssten sie existieren.
Alles verdaut, alles arbeitet, alles wandelt,
alles hinterlässt Hinterlassenschaften
Menschen, Hunde, Pflanzen, Politiker...
Also auch das Gehirn.
Manchmal frage ich mich, wie so was aussieht,
so ein Gehirnexkrement...

Aus meinem Leben Teil 2














Neulich war ich mit meinem Regenwurm im Park. Ferdi liebt diese Spaziergänge. Wir sind dann ganz für uns. Keiner kann unsere Zweisamkeit stören. Wenn ein Blatt vom Himmel fällt und den Ferdi begräbt, dann hebe ich es ganz behutsam von seinem Körper. Der Ferdi ist sehr empfindsam. Wenn er sich aufregt, dann bekommt er schon mal Atemnot. Ich muss dann ganz schnell handeln und das Cortison-Spray holen. Am besten ist es aber, wenn der Ferdi sich gar nicht erst aufregt. Ja, und wie gesagt, waren wir kürzlich hier im Park. Da wirft eine fußlahme, alte, verkrüppelte Oma doch tatsächlich steinharte Brotstückchen um sich. Völlig wahllos! Als hätte sie früher an einem Maschinengewehr gesessen. Tatatatata! Ich schnell zum Ferdi, aber da war es schon zu spät. Der Ferdi lag da mit aufgeplatztem Kopf. Alles voll Blut. Es war so ein scheiß Vollkornbrotstück. Ich hatte schon immer was gegen diese Ökos. Aber die Oma hab ich später auch nicht mehr wieder gesehen...

Jetzt geh ich öfter zum Friedhof, da wo der Ferdi begraben liegt. Ich habe ihn eingeäschert. Natürlich selber, weil er ja doch ein Regenwurm ist und kein Mensch. Man sollte da schon Unterschiede machen und keine Affenliebe betreiben. Der Ferdi hat eine Urne aus zwei zusammengeklebten Kronkorken bekommen. Hab extra die goldenen genommen, weil es edler wirkt. Der Ferdi...

Wenn ich Dackel sehe, muss ich jetzt immer weinen, weil die mit ihren kurzen Beinen ein bisschen so aussehen wie der Ferdi. Der Dackel aus meiner Nachbarschaft ist aber anders. Er kackt alles voll. Das hat der Ferdi nie getan. Der Ferdi ist immer auf seine Sandkiste gegangen. Ich habe den Dackel jetzt mal beobachtet. Jeden Tag scheisst er 4 mal vor unsere Wohnanlage. Und jedesmal lässt der alte Herr Junker alles liegen. Ich habe jetzt angefangen die Kringelwürstchen vom Teckel-Dackel in einer Alditüte zu sammeln. Wenn ich genug habe, dann kann ich daraus eine Zwischenwand basteln. Dung ist ein natürlicher Baustoff. In Afrika bauen sie auch mit Kuhfladen und Kamelkacke ganze Häuser. Teckelscheisse muss also auch gehen. Ich wollte einen Teil vom Wohnzimmer abtrennen, damit ich, wenn ich mal Gäste habe, auch ein Gästezimmer vorweisen kann.

Manchmal bin ich ganz verträumt. Dann träume ich und gucke in die Wolken. Ich freue mich, dass ich so viel Fantasie habe. Nicht jeder hat so viel Fantasie. Ich glaube, ich bin ein ganz besonderer Mensch. Meine Mutter hat auch schon mal sowas zu mir gesagt. Und Mütter haben da ja so einen siebten Sinn für. Ich möchte mal irgendwas mit Tapeten machen. Oder mit Holz. Da bin ich noch nicht sicher.

Ich habe mir jetzt auch einen Kompost angelegt. Das soll sehr gut sein. Habe ich gelesen und alle meine Freunde sagen das auch. Ich möchte alles richtig machen und daher habe ich jetzt auch einen Kompost. Man kann alles auf den Kompost werfen, was man nicht mehr braucht und was schlecht geworden ist. Dann wird das irgendwie zersetzt, der Ferdi hätte da mehr drüber gewusst. Aber leider kann ich den jetzt nicht mehr fragen. Wenn das alles wieder Erde geworden ist, dann kann man damit die Blumenkübel füllen. Geranien hab ich schon. Mein Komposthaufen wächst jetzt täglich, aber es wird nicht weniger. Ich weiß nicht warum. Habe schon überlegt, ihn aus der Ecke hinter dem Kühlschrank zu nehmen und irgendwie an´s Fenster zu versetzen. Vielleicht täte ihm das Licht gut. Ich mag ja auch Licht. Ja, Licht ist Leben... ach, ich philosophiere schon wieder...

Kühlschrankpoesie 2

Manch Schmerz ist dunkel
schmeckt falsch wie Gift
Stumm sind wir Kinder
für Vaters Geheimnis
Hör doch sein Lachen
Ewig Schreck

Ich wollt, ich könnts begreifen

Ich wollt, ich könnts begreifen
Wer ich doch selber bin
Vielleicht muss ich noch reifen
Dann hab ich einen Sinn

Bin ich ein Mensch mit Schnabel
Ein Löwenzahn mit Bart
Ein Pinguin mit Gabel
Vielleicht ein trocknes Blatt?

Am Ende wird ich´s wissen
Vielleicht ist es zu spät
Dann bin ich angeschissen
Ohne Identität

Mittwoch, Januar 24, 2007

Kühlschrankpoesie 1

Wer Brustkocher ist
Riecht so süß unter dem Arm
Hat schwarze Schweinehaare
Und Blut tropft aus Mund und Bauch
Bitte betrink dich Träne
Zieh ihr Kleid aus
Trage Wunder zu ihr
Seid da
Weil Gott tot ist

Augenring

Unter meinem Unterlid prangt ein gar seltsam Ding
Mich dünkt es ist ein schattiger und finstrer Augenring

Ganz bläulich nimmt er mir das Blühen
aus meinem Gesicht
Niemand wird sich mehr um mich bemühen
Ich will das nicht!

Doch nein, ich muss gestehen
es sind nicht alle gleich zu sehen
Da rufts! Hinter mir ein winkender Mann
Mit wehendem Puls blick ich ihn an
„Halt ein, was trägst du für hübsche Ringe...?“

Das Herz wird mir schwer
Meine Finger sind leer

Haubitzenblues

Eigentlich war die Haubitze schon immer allein
Doch einst lachte noch einer über ihre Witze – bei Wein

Das war ihr Vetter die Made
Jetzt ist er weg
(und lebt im Speck)
Wie schade

Die Bestimmung

Liebe Bestimmung,

wo bist Du zu finden?
Dort unter den latschigen Linden?
Hier neben dem schattigen Schuh?
Du?

Ich suche schon lange vergeblich
(mitunter beinahe fast täglich)
Dich, Du Stimmung mit Be
Doch selbst ein äsendes Reh
Könnt ich in mannshohen Wiesen
Leichter erschiessen
Bevor ich Dich säh...


Janosch klaut

Der Janosch klaut
Ich habs gesehn

da denkt doch wirklich keiner dran
der Janosch, so ein guter Mann
Nimmt feist nen ganzen Satz
Vom großen alten Ringelnatz?

Ich würde Dir ohne Bedenken
diese Erfahrung schenken

Fredianisch für Anfänger oder Aus meinem Leben Teil 1

Heute gibt’s gequirlte Scheisse, die mach ich am liebsten. Es gibt nichts Feineres. Man kann hervorragend damit kochen. Wenn Gäste unangemeldet erscheinen, dann kann ich als perfektes Hausweibchen meinen Scheissepudding hervorzaubern. Sieh an! Oh, ein gar leckerer Happen für zwischendurch. Und alle sind zufrieden. Es ist schön, wenn alle zufrieden sind.

Im grauen Morgendunst steh ich auf und beziehe mein Bett neu. Wie jeden Tag. Ein perfektes Weibchen bezieht jeden Tag das Bett neu. Das habe ich einmal in einem Groschenroman gelesen. Seitdem halte ich mich daran. Manchmal schüttel ich auch die Kissen aus dem Fenster und fühle mich wie Frau Holle. Es muss toll sein, wenn man Frau Holle ist. Da kann man wunderbare Flocken zaubern. Ich kann das aber auch. Mit Staubflocken. Die züchte ich in dunklen Ecken heran und manchmal fangen sie sogar an zu leben. Wenn mir langweilig ist, spiele ich mit den Staubflocken manchmal Skat oder wir lesen uns gegenseitig etwas vor. Das ist immer sehr lustig.

Mir ist nie langweilig. Wenn die Flocken mal ihre Trotzphase durchleben und auch keine Gäste da sind, dann gehe ich mit meinen Saugnapfzehen die Wände hoch. Besonders gut funktioniert das, wenn ich sie vorher etwas mit Spüli befeuchte. Dann haften sie besser. Ich sauge mich dann also vorsichtig an der Raufasertapete nach oben, bis ich kopfunter dann da so hänge. Ich hänge gern da. Manchmal einen ganzen Tag. Ich war wahrscheinlich in meinem letzten Leben eine IKEA-Lampe. Wohl eine der billigeren Sorte. Aber es geht schliesslich nicht um den äusseren Wert, sondern um das Licht, das die Lampe macht und die Wärme, die sie ausstrahlt. Manchmal bin ich ganz erstaunt, wie philosophisch ich sein kann.

Mit den Staubflocken kann man auch diskutieren. Aber sie hören nicht so gern zu, husten immer dazwischen oder flusen auseinander. Ich werde dann meist ein bisschen wütend, es nervt mitunter doch sehr. Dann hole ich manchmal den Staubsauger. Selber Schuld, denke ich mir da. Aber reden muss man ja auch mal mit anderen Wesen. Ich habe daher eine kleine Silberfischchenzucht. Ach, die sind ganz herzallerliebst! Wie sie da so vor sich hin wuseln und durcheinander kollern! Wie kleine Autos oder Murmeln. Ich könnte stundenlang diesen lustigen Gesellen zu sehen. Wenn es zu viele werden, gibt es mal einen Linsen-Silberfisch-Eintopf zu Mittag. Mit Speck und Gemüsebrühe. Ich mag nämlich kein Fleisch.

Am Abend muss ich früh in mein Bett. Sonst vergesse ich nämlich, dass ich schlafen soll. Ich habe es schon oft vergessen, zB wenn ich besonnen meine Zahnpasta betrachtete. Dann bin ich am nächsten Morgen aufgewacht und stand immer noch vor der Zahnpasta – mit dem Rücken an die Wand gelehnt. Aber spätestens, wenn mein Hund vor Hunger an meinem Bein nagt, wache ich dann auf. Er ist leider nicht so zutraulich und mag gerne frisches Fleisch. Er wurde in einer Mülltonne zwischen Schlachtabfällen gefunden. Daher kommt das wohl. Meine Beine sehen nicht mehr so schön aus, mit den ganzen Bisswunden. Er nimmt aber meist nur ein, zwei Maul voll. Ich habe mir extra eine kleine Kettensäge aus dem Baumarkt gekauft. Wenn ein Nachbar sowieso nicht so oft auf die Strasse geht, dann fällt das ja gar nicht auf... Abgepackt in diese kleinen handlichen Gefrierbeutel reicht es 2 Wochen. Leider stehen die angrenzenden Wohnungen schon länger leer. Wenn jemand Interesse hat, könnte ich mich breitschlagen lassen und einen Kontakt zur Hausverwaltung herstellen. Ich bin ja ein netter Mensch.